Bewegt.
Ich verlasse ein Land mit atemberaubender Landschaft.
Ich verlasse eine bombastische Stadt mit netten Leuten, kultureller Vielfalt, Straenden, Bergen, Stadtleben, purer Natur und Artenreichtum.
Ich verlasse eine Stadt, in der ich innerhalb von 15 Minuten vom atmosphaerischen Township-Grillen zur sauberen, europaeisch gepraegten Waterfront komme.
Ich verlasse eine Stadt, in der ich meinen Problemen und Sorgen innerhalb von kuerzester Zeit auf dem Tafelberg begegnen kann.
Ich verlasse ein Land, dessen Einwohner grundsaetzlich ausgesprochen freundlich sind und offen auf Unbekannte zugehen.
Ich verlasse ein Land, in dem ich unbeschwert Gespraeche mit meinen Sitznachbarn im Bus, mit Strassenverkaeufern oder -begegnungen fuehre und gelegentlich ganze Lebensgeschichten zu hoeren bekomme.
Ich verlasse ein Land, das allgemein anders mit Zeit umgeht, in dem die Einwohner groesstenteils nicht Zeit und Leben hinterherrennen, es stattdessen ihren eigenen Prioritaeten entsprechend gestalten, was natuerlich einerseits Grund fuer zahlreiche Verspaetungen etc., andererseits aber auch entspannt und sehr gesund ist.
Ich verlasse ein Land, in dem sich viele Einwohner fuerchterlich ungesund ernaehren.
Ich verlasse ein Land, in dem Einwohner afrikansicher Abstammung Protest in Tanzform ausdruecken.
Ich verlasse eine Stadt, in der eine Partei waehrend der Wahlkampfphase mit einem Partybus durch die Gegend faehrt.
Ich verlasse eine Stadt, in dem der Grossteil der weissen und farbigen Bevoelkerung sich nicht die Muehe macht, das in Kapstadt und Suedafrika bedeutsame Wort “Xhosa” aussprechen zu lernen.
Ich verlasse ein Land, in dem zwischen vielen Menschen “Ubuntu”, Mitmenschlichkeit, herrscht und von grosser Bedeutung ist, was beispielsweise dazu fuehrt, dass arbeitslosen Freunden stets ein Getraenk mitbestellt wird und diesen Zustand dementsprechend weniger ‘fatal’ macht.
Ich verlasse ein Land, in dem sich viel Zeit fuer das Miteinander genommen wird, in dem haeufig leidenschaftliche Diskussionen ueber verschiedenste Themen gefuehrt werden.
Ich verlasse ein Land, in dem ich viel Aufrichtigkeit gespuert habe.
Ich verlasse eine Stadt, die sehr “social” ist, nicht unbedingt sozial, sondern eher gesellig.
Ich verlasse ein Viertel, in dem Geburtstage mit Sang und Klang gefeiert werden.
Ich verlasse ein Viertel, in dem ein wunderbares Gemeinschaftsgefuehl herrscht.
Ich verlasse ein Land, in dem sich die Nachbarn nicht beschweren, wenn mal etwas lauter gefeiert wird.
Ich verlasse ein Land, in dem viele Augen zugedrueckt werden.
Ich verlasse ein Land, in dem waehrend der Werbepausen im Fernsehen Vorsichtsmassnahmen gegen Tuberkulose ausgetrahlt werden.
Ich verlasse ein Land, in dem ich zum Tanken inklusive Oel-, Wasser- und Reifencheck sowie Bezahlen nicht ein einziges Mal das Auto verlassen muss.
Ich verlasse ein Land, in dem es aufgrund begrenzter Akademikerzahl Aussichten auf Positionen und Berufe gibt, von denen Uniabsolventen in Deutschland nur traeumen koennen.
Ich verlasse eine Stadt, in der ich stets vorsichtig sein sollte, in der ich immer weiss, wo sich meine Tasche befindet, in der ich nichts im Auto liegen lasse und morgens nachgucke, ob es noch vor dem Haus steht.
Ich verlasse ein Land, in dem ich das Warten gelernt habe.
Ich verlasse ein Land, in dem oeffentliche Verkehrsmittel ungemein guenstig sind.
Ich verlasse ein Land, in dem mir stets das Wort “Auslaender” auf der Stirn geschrieben steht, was einerseits zu spuerbarerer Freundlichkeit, andererseits dazu fuehrt, dass man sich auch nach mehrjaehrigem Aufenthalt nicht uneingeschraenkt dazugehoerig fuehlt.
Ich verlasse ein Land, in dem die Pruegelstrafe in der Schule noch recht gebraeuchig ist.
Ich verlasse ein Land, in dem ich bei offenen Wunden immer mindestens einen Gedanken dem HIV-Risiko widme.
Ich verlasse ein Land, in dem mir kulturelles Leben – Theater, Restaurants, Bars, Kino – recht guenstig erscheint.
Ich verlasse ein Land, in dem Menschen Landsmaennern anderer Rasse grundaetzlich mit etwas (mehr) Skepsis begegenen.
Ich verlasse ein Viertel, in dem ich viel ueber Fussball – insbesondere die Premier League – sowie Serien gelernt habe.
Ich verlasse ein politisch-historisch-kulturell spannendes Land, das einem an jeder zweiten Ecke Denkaufgaben stellen kann.
Ich verlasse ein Land gepraegt von ethnischen Dynamiken.
Ich verlasse ein Land voller Sprachbarrieren.
Ich verlasse ein Land, das sich irgendwo zwischen Aufbau und Zerstoerung, Wandel und Unbeweglichkeit befindet.
Ich verlasse ein sehr ungleiches und vielfaeltig gespaltenes Land.
Ich verlasse ein Land, in dem ich – auch mit meiner Schwester – eine sehr gute Zeit verbracht habe.
Ich verlasse ein Land, das mich viele Traenen gekostet hat, kostet und kosten wird.
Ich verlasse ein Land, dem ich viel zu verdanken habe.
Ich verlasse ein Land, in das mich viele Gedankenreisen fuehren werden.
Ich verlasse Bekannte.
Ich verlasse Freunde.
Ich verlasse eine Heimat.
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Es freut mich, dass diese Liste endlos weitergefuehrt werden kann.
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Ich freue mich auf ein relativ umweltbewusstes Land mit Muelltrennung.
Ich freue mich auf ein Land, in dem es nicht zur Etikette gehoert, als Klamotten- oder Obstverkaeufer nach dem Wohlbefinden seiner Kunden zu fragen.
Ich freue mich auf ein Land mit schoener klingende Polizeisirenen.
Ich freue mich darauf, relativ sorglos im Dunkeln allein nach Hause gehen zu koennen.
Ich freue mich auf mehrlagiges Toilettenpapier.
Ich freue mich auf ein Land, in dem Nutella und Mozarella nicht zu absoluten Luxusprodukten gehoeren.
Ich freue mich auf ein Land, in dem Menschen mit Behinderung in der Stadt zu sehen sind und sie als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden.
Ich freue mich auf ein Land, in dem recht viel Fahrrad gefahren wird.
Ich freue mich auf ein Land, in dem sich die Menschen vom Spitzenpolitiker bis zum Hartz-4-Empfaenger relativ (!) gut verstaendigen koennen.
Ich freue mich auf ein Land, in es in Schulen in den meisten Faellen relativ (!) geregelt zugeht.
Ich freue mich auf ein Land, in dem ich weniger passiv rauche, da Gesetze dieser Art grundsaetzlich eingehalten werden, sei es aus Konsens oder Furcht vor Kontrolle.
Ich freue mich auf ein Land, in dem ich nicht von Polizisten ausgelacht werde, wenn ich an einer roten Ampel stehen bleibe, in dem mir der Polizist waehrend einer Kontrolle nicht sofort verraet, dass er seinem Kollegen gerne nach Holland folgen wuerde, um dort Gras zu konsumieren, in dem ich mich der angedrohten Strafe stellen muss, wenn ich meinen Fuehrerschein nicht bei mir habe, und nicht davonkomme, wenn ein Zehner seinen Besitzer wechselt, in dem ich als Drogenboss mit ausreichend Geld meine Gefaegnisstrafe nicht umgehen kann.
Ich freue mich auf ein Land mit weniger hohen Zaeunen und der Moeglichkeit, allein ein Haus zu verlassen, ohne dass mir der Gastgeber das Gittertor oeffnen muss.
Ich freue auf ein Land, in dem ich mein Essen im Schnellrestaurant aufgrund zuegig arbeitender Angestellter auch schnell bekomme.
Ich freue mich darauf, mich nicht staendig neu vorstellen zu muessen.
Ich freue mich auf einen Ort, an dem ich nicht sofort als Nicht-Einheimische identifiziert und als “Deutsche” abgestempelt werde.
Ich freue mich darauf, nicht rund um die Uhr von zu vielen Maennern “ausgecheckt”, angepfiffen und mit den Augen ausgezogen zu werden.
Ich freue mich auf Gehwege mit weniger Hundescheisse.
Ich freue mich auf ein Land, in dem es eine relativ (!) gute soziale Absicherung gibt.
Ich freue mich darauf, Deutschland zu entdecken.
Ich freue mich auif die Spargel- und Erdbeersaison.
Ich freue mich darauf, zu arbeiten.
Ich freue mich aufs Studentenleben – inklusive Lernen.
Ich freue mich aufs Singen und Musizieren.
Ich freue mich auf Weihnachten mit Weihnachtsbaeumen und –maerkten, Dunkelheit und Kerzen.
Ich freue mich auf gute Freunde.
Ich freue mich darauf, von Herzen zu lachen.
Ich freue mich auf meine Familie.
Ich freue mich darauf, wieder in einem Land zu leben, dem ich viel zu verdanken habe(n werde).
Ich freue mich auf das Gefuehl der Ankunft.
Ich freue mich darauf, zur Abwechslung auch mal meine anderen beiden Schwestern zu sehen!
Ich freue mich auf Zuhause.


So viele positive Erlebnisse und Leute, da kann man nur traurig sein Land und Leute zu verlassen. Aber wer weiß was Deutschland so für euch bringt? Wir freuen uns auf das Wiedersehen……
Es ist unglaublich wie du all deine Gefuehle in Worte ausdruecken kannst, ich weiss genau wie du dich fuehlst und du hast mir zum grossen Teil aus dem Herzen gesprochen, was so einige Traenen hervorgebracht hat. Ich hoffe der Abschied wird nicht zu schwer und die Ankunft darum umso schoener. Bis naechste Woche meine Liebe. MWAH
Oh man! Ich muss erstmal meine Tränen trocknen! Mal wieder sehr schön geschrieben, Phelinchen!
ICH FREUE MICH DARAUF DICH WIEDER ZUSEHEN!!!
weils so schön war, hab ichs gleich 2x durchgelesen
genieß deutschland