“Häusliche Affären”
So, nachdem der Namibia-Artikel nun endlich mit Fotos versehen ist, möchte ich Euch kurz – wir werden sehen wie ich ,kurz’ dieses Mal definiere – von Eileens und meinem zweiteiligen Visa-Verlängerungsdrama erzählen.
Eines sonnigen Montages machen meine Schwester und ich uns pflichtbewusst daran, unsere Visa einen Monat vor Auslauf unserer Aufenthaltsgenehmigungen für die ersten drei Monate zu verlängern. Vor gut zwei Monaten sind wir nämlich in Kapstadt angekommen. Wie die Zeit vergeht, werden vielleicht einige von euch denken und mir den mir anderen Dummen mit dem einen Gedanken mimen.
Aber gut, zurück zum Thema: Eben kurz auf der Internetseite nachgeschaut, wo sich das „Department of Home Affairs“ befindet, sitzen wir auch schon im Minibustaxi in Richtung Zentrum. Die Saint George Straße sagt uns etwas, den genauen Standort müssen wir bei einem Sicherheitsmann erfragen, der uns daraufhin erklärt, das Büro habe seinen Standort gewechselt – ach eine Art und Weise herauszufinden, wie aktuell die Homepage ist.
Wie auch immer. Weiter geht es zur neuen Adresse des „Department of Home Affairs“, das von außen auf den ersten Blick eher an den Hintereingang unserer alten Sporthalle am Gymnasium als an ein Regierungsgebäude erinnert. Vor der Tür werden wir auch gleich von Tunesiern empfangen. „Seid ihr Zwillinge?“ „Nein, Schwestern.“ „Oh wow, dann will ich mal eure Mutter kennen lernen. Sie muss unwahrscheinlich hübsch sein.“ – Auf in den Kampf! Die Innenansicht überrascht uns nach dem ersten Außeneindruck leider nicht positiv. Na gut, solange der Service stimmt…
Erst mal informieren, denken wir uns und setzen uns in die Stuhlschlange, in dessen Nähe der handgeschriebene Zettel „Application Forms and Information“ hängt. Dort erhalten wir nach einer guten halben Stunde einen Zettel, auf dem die zuständige Frau harsch und ohne Erklärung abhakt, welche Dokumente zur Antragstellung benötigt werden. Mist, die Kontoauszüge haben wir vergessen. Schnell nachgefragt, wie viel Geld wir nachzuweisen haben, denn wurde uns dies weder mitgeteilt noch steht es auf dem Informationsblatt, und ab geht es, die Auszüge zu besorgen. 5000 Rand, d.h. gute 500 Euro, pro Monat möchte das Innenministerium auf unserem Konto sehen – ein monatliches Budget, von dem manche Familien hier nur träumen können, wenn man bedenkt, dass diese Summe teilweise monatliches Einstiegsgehalt Studierter ist, dass die Arbeitslosenrate bei 25% liegt, dass der Mindestlohn in Südafrika umgerechnet ca. 32 Euro pro Woche beträgt und dass die Lebensmittelpreise in örtlichen Supermärkten den deutschen in vielen Fällen entsprechen.
Am Ein- und Ausgang warten schon die beiden nordafrikanischen Gigolos auf uns, verraten uns ungefragt ihre Namen, wollen uns in unserem Stadtteil absetzen, mit uns feiern gehen, beteuern uns, dass man nie genug Freunde haben kann, selbst wenn man in einer Beziehung ist (leider viel zu selten eine wirksame Abschreckmethode), finden uns ganz klasse, müssen ohne unsere Handynummern nach Hause fahren.
Das Online-Banking geht leider nicht schnell genug, also träumen Eileen und ich eine Nacht von problemarmer Visaantragstellung und kehren am nächsten Tag mit frisch ausgedruckten Kontoauszügen wieder. Den vom Rest kaum abgetrennten Informationsschalter können wir dieses Mal überspringen und setzen uns zum nächsten Schalter: Submissions. Einreichungen. Die Länge der Schlange stattet uns mit ausreichend Zeit aus, das interessante Publikum zu beobachten, das von kürzlich verheirateten Afrikanern mit Kind über amerikanische Studenten bis hin zur allein erziehenden Europäerin mit Tochter reicht. Es sind nämlich nur vier der fünf Schalter mit jeweils unterschiedlicher Funktion besetzt und das zu unseren Ungunsten auch nicht durchgängig. Nun ja, Bekannte hatten uns im Vorfeld mitgeteilt, dass man Tage beim „Department of Home Affairs“ verbringen könne. Dieses Wissen macht die Angelegenheit bzw. das Warten allerdings nur unwesentlich besser, was mir ein älteres Ehepaar, das geschlagene zwei Stunden am Informationsschalter verbrachte, sicherlich bestätigen könnte.
Während Eileen und ich also in der Schlange sitzen und von Zeit zu Zeit brav einen Stuhl aufrücken, beobachten wir einerseits einen undurchsichtigen Positionswechsel sowie ein Rein- und Rausrennen der Angestellten, wobei durchgehend mindestens ein Schalter unbesetzt bleibt: In den dreieinhalb Stunden, die wir insgesamt in dem maroden Gebäude (eine längerfristige Uebergangslösung, wie es scheint) verbringen, bewegt sich die Schlange am Schalter für Agenten keinen Zentimeter, sie verlängert sich nur. Froh, dass wir ausnahmsweise nicht als Agenten unterwegs sind, wundern wir uns doch, warum ein paar unserer Vorgänger den Raum nacheinander augenrollend verlassen. Als wir an der Reiher sind, lüftet die zuständige Dame das Geheimnis: Es fehlen neben ihrer Motivation und ihrem Pflichtbewusstsein die Kopien unseres Reisepasses, was leider nicht ausdrücklich auf dem Informationsblatt steht, was am vorherigen Tag nicht erwähnt wurde, was mir nicht mitgeteilt wurde, als ich zuvor nachgefragt hatte, ob die Ausdrucke unserer Kontoauszüge akzeptal sind und eine andere Frau durch unsere Dokumente gegangen war, worauf die eine am Einreichungsschalter nicht laut aufmerksam machte, als sie Antragsteller wiederholt zum Kopieren ihrer Pässe wegschickte.
Kopieren kann man darüber hinaus nicht vor Ort, man muss stattdessen in eine ca. 1km entfernte Seitenstraße der Adderley Street spazieren. Wie praktisch, dass wir zu zweit sind, sodass ich die Stellung in der Schlange halten kann.
Einige Zeit später kommt Eileen wieder, gibt mir wie bestellt meine Zeitung und ein paar Weintrauben, die sie von einem der vielen Straßenhändler besorgte, und lässt sich schon mal in der nächsten, der “Hauptschlange”, nieder, um Zeit zu sparen. Ich reiche währenddessen unsere Dolumente ein, bekomme einen Zettel, der bestätigt, dass ich alles fein eingereicht habe, und uns nahelegt, innerhalb von 30 Tagen wiederzukommen, um unseren Stempel abzuholen. Mit einer groben Geste in Richtung des Hauptschalters sagt die Dame: “Du musst jetzt da rüber gehen.” “Gut, danke. Aber woher weiß ich, wann innerhalb dieser 30 Tage wir wiederkommen müssen?” – “Du bekommst eine SMS, wenn die Unterlagen aus Pretoria hier angekommen sind.” – “Und dann?” – “Dann wartest du drei Werktage und kommst hierher.” – “Okay. Danke.” – “Es kann aber auch länger dauern, man weiß das nie so genau.” – “Aha.”
Etwas verwirrt geselle ich mich zu Eileen, die irgendwo inmitten anderer Antragsteller sitzt, da sie sich trotz Nachfragen einfach mitten in die Schlange setzen durfte, weshalb wir relativ schnell an der Reihe sind. Angesichts der Tatsache, dass gegen ein Uhr Mittag zeitweise keiner der Schalter besetzt ist, ist dies trotzdem verwunderlich. Zu schade, dass unsere Einreichungsfrau ihre Mittagspause gerade beendet, als wir an der Reihe sind, und uns im Vorbeigehen mitteilt, dass wir am falschen Schalter sitzen. Juhu!
Kopfschüttelnd, aber dennoch irgendwie amüsiert gliedern wir uns an den benachbarten Kassenschalter, den sie mit ihrem Fingerzeig wohl meinte. Wie ironisch, dass gerade in diesem Augenblick Michael Jacksons “Human Nature” aus den Lautsprechern eines Handys ertönt. Im Gegensatz zu vielen anderen Situationen, in denen Prozesse oft eher untypisch beschleunigt werden, sobald es um Geld geht, müssen wir dieses Mal eine halbe Stunde warten, bis überhaupt jemand am Schalter auftaucht, der uns dann mürrisch knapp 45 Euro für das Visum abnimmt, woraufhin wir das “Department of Home Affairs” in gespannter Erwartung auf unseren nächsten Besuch verlassen.
Nun ja, etwas Gutes hatte dieser Tag ja doch: Die zwei Tunersier waren dieses Mal nicht da!
sehr amüsant und zeitaufwendig, aber zeit habt ihr ja in tüten…..bussi
man man man
:D:D
und da denkt man, das deutschland so bürokratisch ist
aber kommt, die anmahe der gigolos war doch bestimmt sehr reizvoll
Aber ist doch schn, mal nen Tag in Afrika im sitzen zu verbringen anstatt auf einer sanddüne zu frühstücken oder? man kan euch ja auch nicht zu viel mit afrika verwöhnen
Trotzdem weiterhin einen schönen und spannenden und weniger bürokratischen aufenthalt euch beiden
LG