“Papa, warum sagen die ‘Bis gleich’”?

Das waren die letzten Worte unserer kleinen Schwester Emmylou, die wir nach unserer Verabschiedung noch hoerten, bevor sie auf dem Weg zur Schule ins Auto stieg. Fuer sie wird die Zeit ohne die beiden grossen Schwestern vermutlich endlos lang erscheinen: in meinen Augen Ausdruck einer der groessten Wermutstropfen unserer Reise.

Was unsere Wahrnehmung anbetrifft, erscheinen die uns bevorstehenden sechs Monate – rueckblickend auf das ganze Jahr, das ich zuletzt in Kapstadt verbracht habe und unwahrscheinlich schnell verging – ja fast wie ein Kurzurlaub im Land der Guten Hoffnung, wie ich es nennen moechte. Denn in Hinblick auf die letzte, unsere erste Woche in Kapstadt ist mir eins klarer denn je: Auch wenn so mancher aufgrund meines zweiten Auslandsaufenthaltes Gegenteiliges beteuern mag, weiss ich, dass meine Haut nicht faul ist und mich ein Kurz- bzw. Langurlaub im urspruenglichen Sinne vermutlich entweder wahnsinnig oder ungluecklich oder beides machen wuerde. Als ein guter Bekannter und sogenannter Lebenskuenstler hoerte, dass ich immer noch nicht zu studieren begonnen habe, rief er voller Euphorie: “Phelina, you’ve lost all your German brain!” “Phelina, du hast dein gesamtes deutsches Gehirn verloren!” Ja, Vorhaben dieser Art entsprechen nicht gerade der typisch deutschen Denk- und Lebensweise. Nein, ich werde mich nicht auf die faule Haut legen (koennen). Dafuer bin ich nicht hier.

Die vergangene Woche haben Eileen und ich vor allem damit verbracht, uns wieder einzuleben, in Suedafrika, in Kapstadt und vor allem in unserem Viertel Observatory. Das Wetter liess nach unserer Ankuft auf afrikanischem Boden zunaechst kaum Aktivitaten im Freien zu, doch waren wir mittlerweile zwei Mal am Strand und haben unsere Haut dort von der suedafrikanischen Sonne kuessen und unsere Sommersprossen erwecken lassen, wobei dieser Ausdruck der Intensitaet der Sonnenstrahlen wohl nicht ganz gerecht wird. Wir waren am Hafen in Kalk Bay, auf dem Samstagsmarkt, wir haben anlaesslich des Geburtstags einer amerikanischen Freundin gemeinsam mit vielen Freunden gekocht und Wein getrunken und uns auch im Wohnzimmer “unserer” Jungs, der irischen Kneipe “Scrumpy Jack” blicken lassen. Es geht uns gut.

Nichtsdestotrotz hat man, habe ich schlicht und ergreifend schon mehr als einiges von dieser Stadt gesehen und so ist der Glanz des Neuen, die Spannung und Aufregung des Entdeckens etwas verblasst.Versteht mich nicht falsch, ich habe weder alles erkundet und verstanden noch die Lust an Kapstadt verloren. Uns geht es sehr gut! Was ich aber sagen moechte, ist, dass ich andere Dinge sehen, entdecken und Neues verstehen lernen muss, um rundum zufrieden sein.

Der Tafelberg ist immer noch traumhaft, die Menschen freundlich usw., doch war es schon mal interessanter, Minibustaxi zu fahren, sich anderen Entdeckern Kapstadts beim Dinner Club zu Live- oder Jazz-Musik vom CD-Spieler vorzustellen oder von Studenten zu hoeren, dass sie vier Monate brauchten, um sich nach der Weltmeisterschaft wieder aufs Lernen einzustellen. Aber kein Grund zur Sorge, ich glaube, dass zweite erste Eindruecke naturgemaess weniger euphorisch ausfallen als erste erste und bin Guter Hoffnung, dass ich momentan einfach nur zu ungeduldig bin, dass ich darueber hinaus mein (deutsches) Gehirn nicht verlieren werde und die kommenden sechs Monate einiges fuer uns in petto haben.

In diesem Sinne: Bis gleich!

 

Phelina

    • Heiner
    • 29. November 2010

    Toll ein Lebenszeichen von Euch zu hören / lesen!
    Die ‘DREI’ aus Bramsche wünschen Euch eine tolle (andere) Zeit in Kapstadt!
    Weihnachten nicht bei der eigenen Familie zu sein kann ein schweres Los sein, zumindestens für Muttern!
    Wir bleiben am Ball bzw. am Blog und freuen uns auf die wundervoll geschriebenen Wortkombinationen aus Deinem verlorenen Gehirn.
    Heiner ;-)

    • Daniel
    • 30. November 2010

    Hauptsache du verlierst deine schöne, deutsche Stimme nicht..;) Ich möchte nämlich gerne weiterhin mit dir singen. Auf die vielen, tiefsinnigen Gespräche über das Leben könnte ich verzichten ;) .
    Macht es gut ihr!
    Daniel

    • Denne
    • 3. Dezember 2010

    SO, dann werd ich mal meinen Ruf als treuer Leser und Kommentar-Abgeber gerecht und reagiere nun auch mal endlich auf den ersten Blog-Eintrag ;)
    Ich glaub, wenn man dich wirklich kennt, weiß man, dass du nicht die normale Urlauberin bist. Zumindest denke ich das. Und das du faulenzen würdest, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dafür kenn ich dich wirklich zu lange ;)
    Also war die erste Woche eine Art wieder Eintritt ins afriakanische Leben?
    Ich warte dann schon mal auf die erste Postkarte ;)

    LG

    • Oliver Koddenberg
    • 23. Dezember 2010

    Hallo ihr beiden!
    Ich wünsche euch eine sehr erlebnisreiche aber auch erholsame Reise und natürlich auch fröhliche Weihnachten -der wahrscheinlich etwas anderen Art;-).
    Die Heimat vermisst euch!
    Alles Gute,
    Oliver

    • Oliver
    • 24. Dezember 2010

    Hallo ihr Beiden.
    Falls das hier funktioniert, wünsche ich euch eine spannende aber auch erholsame Reise, Weihnachten der anderen Art und natürlich einen guten Rutsch!
    Die Heimat vermisst euch!

    Alles Gute,
    Oliver

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